Juli 3 2017

Experiment Barfuß – Schuhe

Vorgeschichte

Ich hatte vor 5 Jahren akuten Fersensporn, d.h. Durch mein hohes Körpergewicht wurden meine Sehnen im Mittelfuß überlastet, zum Teil verhärtet und später lastete das Gewicht auf dieser Kalkverhärtung. Extrem schmerzhaft beim Laufen, Liegen, Schlafen … eigentlich immer. Damals konnte mir eine Einlage helfen, die meinen Fuss gestützt hat, und die Stelle des Fersensporns entlastete. Ich hätte nie gedacht, dass ich noch jemals mit Barfuß – Schuhen oder ohne Schuhe mit Einlagen würde laufen können.

Um das Gewicht zu reduzieren und kardiologisch im Training zu bleiben, laufe ich regelmäßig. Regelmäßig 5-7 km, seltener und 12-14 km und ganz selten mal 20-23km. Alles langsam ohne Wettkampfambitionen, einfach zum „Kopf Leerlaufen“ und um fit zu bleiben. Leider hat sich hier seit einiger Zeit eine schmerzhafte Situation an der linken Achillessehne eingestellt. Nicht ganz so schlimm wie seinerzeit der Fersensporn, aber auch wirklich unangenehm. Die Reste des Fersensporns waren immer mal wieder zu spüren aber nicht mehr so schmerzhaft, dass eine Einschränkung für mich entstanden wäre.

Witzigerweise wurde die Situation nach dem Training besser. Der erste Kilometer war schmerzhaft, danach war Ruhe. Nicht gut, aber OK.

Was ist Barfußlaufen?

Es begab sich, dass ich Familienurlaub auf der Insel Wangerooge machen durfte. Und auch dort, jeden Morgen … Schuhe an, 9km Westrunde und der Tag wurde toll! Wangerooge ist total sandig, autofrei und sauber. D.h. Als ich von einer Läuferin überholt wurde, die im Barfußlaufstil (super leise) an mir vorbei geschwebt war, musste ich das auch ausprobieren. Schuhe raus, Socken raus, einen Kilometer barfuß laufen – eine ganz andere Belastung, weg von der Ferse hin zum Ballen. Viel leichter, viel runder aber deutlich muskulär anstrengender. Oh Wunder. Ich war sofort komplett schmerzfrei. Also habe ich versucht die Tage auf der Insel so viel wie möglich barfuß unterwegs zu sein.

Gleich mal ein Paar Schuhe online bestellt und durch Zufall in München in einen Store gestolpert, der Leguane Barfußschuhe verkauft. Der sehr freundliche und beratungsaktive Verkäufer hat mir auch folgenden Selbsttest gezeigt.
Barfuß Vorwärtslaufen und dabei mit den Fingern die Ohren zuhalten. So kann man bei jedem mal Fersenaufsetzen einen kleinen Schlag als Körperschall hören. Warum? Das Sprunggelenk kommt bei dieser Art zu Gehen/Laufen nicht zur Wirkung und weder Knie, Becken und Wirbelsäule können den Schlag dämpfen.
Jetzt Barfuß Rückwärts (oder auf den Ballen Vorwärts) Laufen und wieder die Ohren zuhalten. Man hört nichts. Das Sprunggelenk federt jetzt den Schlag ab und es ist nichts zu hören.

Anmerkung: Es wundert mich, dass die Achillessehnenschmerzen bei mir verschwunden sind, nachdem ich die Achillessehne mehr belaste… aber ich muss das nicht verstehen, ich geniesse die verwirrenden Tatsachen.

Was sind Barfußschuhe?

– Schuhe mit extrem dünner Sohle, so dass ich z.B. Die Fugen zwischen Fliesen beim drüber laufen fühlen kann. Die Sohle muss so flexibel sein, dass der Schuhe die ganze Arbeit machen muss. Kein Flussbett.
– Flache Schuhe, die unter der Ferse fast keine Polsterung haben.
– Da sie wenig Material brauchen, sind sie auch richtig leicht. So ein wenig wie Wandersocken 😉
– Breiter Bereich für die Zehen. So ist einfach Platz im Schuh.
(Ich hatte früher schon mal kurz Zehenschuhe probiert, aber da ich dort keine Socken tragen konnte entwickelte sich ein sehr penetranter Geruch. Diese Schuhe hatte ich dann zurückgegeben, weil sie auch optisch zu wenig „alltagskompatibel waren.)

Ich habe jetzt einen Barfußschuh aus dem Hause Leguano zum Laufen, die ein klein bisschen dickere Sohlen haben und ein Paar von Vivobarefoot fürs Büro. Optisch finde ich alle Schuhe eher hässlich, aber das Gefühl ohne Schmerzen sein zu dürfen ist deutlich mehr Wert. Diese Woche habe ich zum ersten Mal die Laufschuhe im Schrank gelassen und die Leguanos zum Laufen getragen… was soll ich sagen… meine Waden glühen aber das Gefühl ist fantastisch!

Die Vivobarefoot (Alltagsschuhe):

 

Die Leguane (Joggingschuhe):

Bislang kenne ich nur folgende Hersteller (dort gibt es natürlich auch tolle Erklärungen):
https://www.leguano.eu (meine Laufschuhe)
http://www.vivobarefoot.de (meine Alltagsschuhe)
https://www.zaqq.de

Folgende Händler haben eine brauchbare Auswahl:
http://voycontigo.de

Wenn Jemand Fragen und Anmerkungen zu den Schuhen oder meinen Erfahrungen hat, kann er/sie gerne einen Kommentar hinterlassen, ich werde dann versuchen zu antworten.

Natürlich werde ich Euch gerne zu einem späteren Zeitpunkt von meinen langfristigen Erfahrungen mit den Barfußschuhen berichten.

Februar 4 2017

Eislauf Tipps für Helikopter-Eltern

Nachdem mich meine aktuellen Kollegen aus dem Kundenteam mit dem Begriff der Helikoptereltern in Kontakt gebracht haben, bin ich wohl etwas für diesen Komplex sensibilisiert worden. Ich habe keine Ahnung warum mein Impuls hierüber eine kleine Liste aus Tipps zusammenzustellen so gross wurde, dass ich es tatsächlich tun werde… aber … here we go. Sollte jemand nicht wissen, was Helikoptereltern sind, gibts hier eine Definition:  https://de.wikipedia.org/wiki/Helikopter-Eltern Ich selbst habe zwei Kinder und habe für mich den Begriff „Über-Eltern“ geprägt. Frei nach „Finding Demo“ handelt es sich um Eltern, die Kinder vor allem… auch vor den lehrreichen Erlebnissen des Alltags beschützen wollen. Offensichtlich scheint dieses Phänomen auch jetzt noch zu grassieren.

Aber nun mal zur Sache. (Wer während des Lesens Übertreibungen und Provokationen findet darf dies gerne auf einem Blatt neben dem Computer vermerken!)

Ich fahre seit vielen Jahren Schlittschuh. Ganz gut, sicher und sehr sehr gerne. Allerdings nicht so gut wie die echten Cracks, die dann auch Tricks und Sprünge auf die Kanten bringen. Aber seit ich Papa bin hat sich meine Aufgabe mehr zu Training verlegt. Ich will jetzt ein paar Tipps auflisten, die den HelikopterEltern helfen sollen ihnen und ihren Kindern Gesundheit und Spass beim Schlittschuhlaufen zu retten. Denn was ich z.B. Heute in der Eishalle beobachten musste war grauenvoll.

  1. Schlittschuhlaufen ist schön – Egal ob man eher die rabiate, wendige Eishockeylauftechnik anwendet oder ob man federleicht wie eine Eiskunstläuferin über das Eis gleitet… es ist schön anzuschauen. Und Eisläufer und Eisläuferinnen mögen es, wenn man sie beim Fahren beobachtet. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es viel über die Fahrtechnik und die Schönheit des Sports durch Beobachtung der Anderen in sich aufnehmen kann.
  2. Eislaufen ist Stürzen – Zum Eislaufen gehört zumindest in den ersten 2-3 Jahren Stürzen unweigerlich dazu. Faktisch ist der komplette Bewegungsablauf von Schlittschuhlaufen ein Steuern der Fallenergie… daraus holen wir Schwung und Geschwindigkeit. Später folgt dann aus der Geschwindigkeit die Stabilität. Aber ich kenne niemanden der noch nie gestürzt ist. Was die Sache mit dem Sport auch spannend macht. Sollten Sie oder Ihr Kind also nicht bereit sein auch mal zu stürzen – nehmen Sie bitte davon Abstand in die Eishalle zu gehen. Beim Sturz stellt sich oft die Erkenntnis ein, was gerade falsch war… Lernen in Reinstform.
  3. Ausrüstung hilft – Auch wenn die Eislaufmeisterinnen bei Olympia im Fernsehen gekleidet sind wie kleine Engel mit Rüschenrock und Strumpfhosen möchte ich vor allem bei AnfängerInnen von dieser Aussenhülle abraten. Ein Skianzug mit Helm sitzt vielleicht nicht figurbetont, schont aber Knie, Hintern und sollte auch warm und trocken halten. Handschuhe (bitte Fäustlinge) und ein Fahrradhelm runden das Bild ab. Es ist unglaublich, wie oft Helikoptereltern auf die schnöde optische Fassade des werdenden Eislaufstars achten, statt auf sichernde Ausrüstung. Und ich bin mir sicher, dass es auch rosarote, glitzernde Einhornskianzüge gibt, mit denen Sie als Eltern beweisen können, dass Sie wirklich alles für die Karriere Ihres Kindes auf dem Eis investieren wollen. Und das sehen dann auch Ihre Nachbarn.
  4. Stürzen schmerzt – Leider.  Am meisten Schmerzen bereiten jedoch die Stürze, die die Erwachsenen durch Reissen am Arm des Kindes noch zu verhindern suchen. Entweder Sie kugeln Ihrem Kind den Arm aus oder Sie stürzen ebenfalls und fallen auf Ihr Kind. Ich rate dazu in sicherem Abstand neben dem Kind zu fahren und erst mal lächelnd auf den gestürzten Schlittschuhlehrling zuzufahren. Damit tut es dem/der Kleinen schon deutlich weniger weh und die Situation ist vorbei. Sollte das Kind dann immer noch Schmerzen haben, können Sie Ihr ganzes Schutz- und Behütungsprogramm auffahren. Das ist der Moment in dem Sie gebraucht werden. Sie können allerdings auch einfach warten, bis Ihr Kind von alleine weiterfahren will. Denn Stürzen gehört einfach dazu und ist normal. Ein kleines Ziepen am Knie oder ein Druckschmerz am Popo hat noch kein Kind wirklich von der Freude des Eislaufens abgehalten.
  5. Stürzen will gelernt sein – Das schlimmste was auf dem Eis passieren könnte, wäre meines Erachtens, dass jemand über die Finger eines gerade gestürzten Kindes fährt. Deshalb rate ich immer dazu, sehr früh und sehr deutlich darauf hinzuweisen, dass beim Sturz eine Faust geballt werden sollte. Ein Zusammenstoß mit einem Schlittschuhs eines anderen Fahrers macht dann immer noch keinen Spaß aber es gefährdet nicht die Klavierkarriere, weil ein Finger fehlt. Also beim Sturz Fäuste ballen und Kopf weg vom Eis! Sofort!
  6. Es gelten Regeln – Die Laufrichtung ist vorgegeben. Woher sollten Sie das wissen? Naja schauen Sie sich um. Ich kenne fast nur Eishallen in denen „gegen der Uhrzeigersinn“ gefahren wird… einige Eishallen machen sich am Discoabend einen Scherz daraus, diese Richtung immer Mal wieder umzudrehen. Aber gerade bei sehr gemischten Besuchergruppen, wenn also Anfänger und Profis gleichzeitig auf dem Eis sind sollten Sie und Ihr Kind „mit dem Strom“ fahren. Erstens gehen alle davon aus, dass Sie und Ihr Kind so fahren und andererseits addieren sich die Vektoren beim Zusammenprall wenn die Vektoren aus entgegengesetzten Richtungen kommen. Deutsch: Es tut noch viel mehr weh!
  7. Jeder hat Verantwortung – Jeder muss seine eigene Geschwindigkeit kontrollieren können – und bremsen. Wenn Ihr Kind also völlig unkontrollierbar aber sehr schnell über das Eis jagt, müssen Sie Ihre Helikopterschutzkapsel exakt genausoschnell bewegen – oder es steht eine Karambolage bevor. Es ist eine spannende und oft herausfordernde Übung für die besseren Fahrer möglichst eng und schnell durch die Reihen der Eisläufer zu sausen. Und man lernt dabei auch direkt bremsen. Fahren Sie oder Ihr Kind also nicht schneller als Sie die Situation kontrollieren können.

Wenn sich jeder an diese sieben Tipps und die normalen Regeln von „gesundem Menschenverstand“ hält, werden Sie, Ihre Kinder und Ihre Mitmenschen sehr lange sehr viel Spass am Schlittschuhlaufen haben. Definitiv ist Eislaufen ein Sport für die ganze Familie und alle Altersgruppen. Ich durfte heute eine Dame mit ca. 65 Jahren übers Eis gleiten sehen und war beeindruckt wie sauber ihre Lauftechnik war. Ich bin mir sicher diese Dame hat so manchen Sturz und Schmerz im Laufe ihrer Eislaufkarriere gesammelt… aber offensichtlich hat sie dabei auch viel gelernt und gelacht. Genau so kann Ihr Kind das auch machen. Ganz ohne Schutzschirm, Umsorgen und Helikopter!

Sollte ich einen Tipp vergessen haben, freue ich mich riesig über einen Hinweis als Kommentar. Und natürlich gerne bei Fragen…